Holi Festival in Indien - der verrückteste Farbenspaß!


Indien ist prinzipiell einfach bunt. Die Inderinnen tragen ihre Saris immer in den knalligsten Farben. Das Auge weiß gar nicht wo es überall hinschauen soll vor lauter Farben und Muster. Und dann gibt es als drauf Gabe zu all den bunten Farben das Holi Festival in Indien. Schon mal davon gehört?


Es ist ein ausgelassenes Spektakel, bei dem sich alle mit Farbpulver bewerfen. Mit dem Holi Festival wird der Beginn des Frühlings gefeiert und es findet immer am ersten Vollmond des Monats Februar/März statt. Es dauert mindestens zwei Tage wenn nicht sogar länger, an denen die Inder ausgelassen feiern.


Pushkar, in Rajasthan, ist ein sehr bekannter Ort um das Festival zu feiern. Die Inder lieben es hierher zu pilgern, denn es gibt TouristINNEN. Wir Westler lieben es, da es ein süßes kleines touristisches Örtchen ist und das Holi Festival, das lustigste Festival hier sein soll, das es in Indien gibt.


Um 07:00 Uhr morgens geht es los mit lauter Trance Musik

Auf meinem Selbstfindungstrip durfte dieses Fest natürlich nicht fehlen. Eine 36 stündige Zugfahrt habe ich dafür in Kauf genommen. Alle Unterkünfte ausgebucht und sie sind alle 5 mal so teuer wie normal. Einige Abende bevor das Festival losgeht, fangen die ersten Trommelshows an. Bis zwei Uhr morgens wird durch getrommelt um den Frühling zu begrüßen. Am Vorabend des Holi Festival beginnt eine riesengroße Feuershow. Die ersten wilden feiern die Nacht schon durch. Am Haupttag geht es dann um 07:00 Uhr in der Früh los. Am Hauptplatz wird lautstarke Trance Musik aufgedreht und alle machen sich bereit. Zu dieser Uhrzeit ist es mir noch unvorstellbar sich in diese Menge zu schmeißen. Wir sind eine kleine Truppe aus fünf Mädels und einen Mann als Beschützer. Denn jeder weiß, bei Holi nutzen die Inder die Nähe, die durch das Getümmel erzeugt wird, schamlos aus.

Um 09:00 Uhr ist meine kleine Truppe bereit und wir starten. Alte Klamotten werden angezogen und alles wertvolle bleibt im Hotel. Zwei Schritte schaffen wir und die erste Farbbombe landet auf mir. Aus einer kleinen Plastiktüte wird das Farbpulver mit der Hand geworfen. Von oben bis unten bin ich in ein knalliges Pink eingetaucht. Weitere Schritte und es kommt Gelb, Blau, Rot und Grün hinzu. Alles bevor wir es überhaupt schaffen die Menschenmenge zu betreten.


Auf einmal sieht und spürt man nur noch Hände

Jeder will dir Farbe ins Gesicht wischen. Überall sieht man nur Farbe, Hände und Menschen. Die Trance Musik wird immer lauter aufgedreht. 09:15 Uhr. Hätt ich mal gefrühstückt. Vor lauter Farbpulver sieht man nichts mehr und mit dem Werfen komm ich auch nicht hinterher, da ich keine Luft mehr bekomme. Rundherum drängen sich die Menschen und du bist in der Farbmenge verloren. Das Farbpulver ist wie Staub und dringt in jede Zelle vor. Die Augen und die Kehle brennen. Schnell wird die Sonnenbrille als Augenschutz eingesetzt und aus einem alten Schal zaubern wir noch unseren Mundschutz. Gleich viel besser.


Bhang Lassi - Marihuana mit Joghurt und begrabscht von hinten

Die Inder sind in ihrem Element. So nahe sind sie Frauen selten gekommen. Keine einzige indische Frau ist in der Menge. Zu nahe zum anderen Geschlecht. Man sieht einigen Indern an, dass sie zu dieser Uhrzeit den berühmten Bhang Lassi schon konsumiert haben. Bhang Lassi ist tief in der indischen Kultur verwurzelt und man kann es ganz legal konsumieren. Es wird meistens aus Joghurt oder Milch und den Blüten der weiblichen Cannabispflanze hergestellt. Der Effekt ist rund um dich spürbar. 1000 Männerhände um dich herum, die dich begrabschen wollen. Zuerst nur das Gesicht, bis es passiert. Irgendein Inder, der definitiv zu viel vom Bhang Lassi konsumiert hat, kommt von hinten an mich heran, legt BEIDE Hände auf MEINE Brüste greift zu. Alles passiert in Sekundenschnelle. Ich drehe mich um und hole aus. Direkt ins Gesicht. Er ist vollkommen unbeeindruckt. Das war es ihm wert. Unser fast 2meter große Latino, den wir als Beschützer mitgenommen haben, schmeißt sich auf den Inder und schreit nur zum Spaß „Berühr nicht sie, berühr mich!“ Bei fünf Mädels und hunderten Inder, hat er einiges zu tun. Bis ein Inder stehen bleibt und es wörtlich nimmt. Er hört nicht mehr auf sein Geschlechtsteil berühren zu wollen. Gott sei Dank war unser Latino Freund mindestens einen Kopf größer als die Inder. Da hat er wohl Glück gehabt und den Angreifer abwehren können. Meine argentinische Freundin, die sowieso nur Frauen liebt, dreht neben mir durch und fängt alle Männer an zu beschimpfen. „Don’t touch me anymore.“ Hör ich von ihrer Seite nur noch. Das war der Punkt an dem wir uns zu einer Hauswand auf eine Anhöhe retteten.

Durchatmen und los geht’s mit der Farbe schmeißen

09:45 Uhr. Wir schnaufen alle durch. Das war mehr als intensiv. Die restliche Zeit bleiben wir bei der Hauswand. Der perfekte Platz um unsere Farbe zu schmeißen, zu tanzen aber keiner kann dich mehr berühren. Etwas abseits von der Menge, genug Platz zum Atmen und dich zu bewegen. Kommt doch einmal einer Nähe beschimpft ihn meine argentinische Freundin und er zieht sofort weiter. An diesem Punkt begann das Holi Festival richtig Spaß zu machen. Eine Farbtüte nach der anderen habe ich geschmissen. Keiner war mehr vor mir sicher.


Party von 07:00 - 15:00 Uhr - das gibt es nur in Indien

Um 15:00 Uhr war der ganze Spaß dann vorbei. Die gesamte Straße sah aus wie das ärgste Schlachtfeld. All die bunte Farbe hat sich in eine Zentimeter dicke Staubschicht verwandelt, die gekrönt von all der getragenen Kleidung, aller Männer war. Scheint wohl so ein Ding bei Holi zu sein, dass man die dreckige Kleidung auf der Straße zurücklässt.



Um 11:00 Uhr haben wir bereits aufgegeben. Zu viel Farbe, zu laute Musik auf nüchternen Magen, zu viele Männer, eine zu verrückte Menschenmenge. Wie gesagt Indien ist intensiv. Ein Festival in Indien ist noch intensiver! Eine Stunde lang sind wir dann unter der Dusche gestanden und haben uns geschrubbt - doch ein Teil der Farbe blieb die restliche Woche als Andenken an uns und hat uns immer wieder ein Lächeln von diesen verrückten Fest ins Gesicht gezaubert.

Ein Inder, der sich zu Hause die Farbe runter wäscht.


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