attackiert von verwahrlosten Straßenkinder

Als mich meine beste Freundin Theresa in Indien besuchen kam, hatte ich schon viel gesehen. Das Traurigste war, die von Kopf bis Fuß verbrannte Frau, die man als Mensch nicht mehr erkennen konnte. Sie saß in der Shoppingstraße am Wegesrand und vor ihr stand ihre kleine Schüssel um eine kleine Spende zu erhalten. Sie starrte starr vor sich hin. Ihr Haut vom Feuer komplett verbrannt. Keiner beachtete sie. Jeder ging an ihr vorbei, als würde sie gar nicht existieren. Zu diesem Zeitpunkt, dachte ich man kann schwer etwas traurigeres sehen.


Als mich dann meine beste Freundin Theresa besuchen kam, haben wir beschlossen zum nahe gelegenen Markt zu fahren, wo die Inder ihr Gewand, Schuhe und all ihre anderen Sachen kaufen.


Der Markt erstreckte sich über unzählige kleine Gassen. Es war ein Genuss für das Auge. Zuerst konnte man jegliche bunten Bommeln kaufen. Im nächsten Geschäft bunte Stoffe um Unterwäsche zu nähen. Im nächsten gab es nur Socken. Im nächsten Geschäft gab es Seidenstoffe. Im nächsten westliche Kleidung. Im nächsten Schuhe. Es war verrückt und wunderschön zum Anschauen. Der Markt war sehr lokal und wir waren wiedermal die einzigen „Weißen“.


Wir haben uns in diesen Gassen von kleinen Geschäften, in der jeder etwas anderes verkauft, verloren. Und man merkte, dass die Sonne langsam beim Untergehen war. Also machten wir uns schnell auf den Weg zur nächsten Rikscha (kleines offenes Taxi) um wieder zurück zum Hotel zu fahren. Am Weg vom Markt zu einem Taxi blieb ich noch stehen um Obst zu kaufen. Die unterschiedlichsten Obstsorten stapelten sich am Obstwagen. Als Snack oder zum Frühstück ist das Obst herrlich. Mit drei vollen Säcken Obst beeilten wir uns, da es auf einmal dunkel war. Und dann geschah es.


Von der Seite sprangen 5 Straßenkinder auf uns. Sie hängten sich auf die Obstsäcke und es war klar, diese lassen sie nicht mehr los. Pure Angst war in Theresa’s und meinen Augen, denn das waren keine Kinder mehr. Diese kleine Wesen waren vom Leben gezeichnet. Ihre Haut dick wie Leder von der Sonne und dem Dreck, in dem sie lebten. Ihre Haare verfilzt und weiß vom Staub. Die Kleidung hängte dreckig und in Fetzen an ihnen herunter. Das Funkeln in ihren Augen gab es nicht, denn sie hatten nur ein Ziel: ÜBERLEBEN. Die Nacht war ihre Zeit um essbares zu suchen. Freude, Liebe gab es in ihrer Welt nicht. Der Stärkere überlebt. Eindeutig.


Diese Kinder waren keine Kinder. Es waren Kreaturen, die sich noch die duschen konnten. Wenn du noch nie in Indien warst, ist es dir unmöglich vorzustellen WIE dreckig diese Kinder waren. WIE verwahrlost. So etwas gibt es in unserer privilegierten Welt nicht. Du kannst dir nicht vorstellen, WIE die Augen der Kinder waren. Zu allem bereit um etwas essbares zu finden. Keine Skrupeln.


Wenn ich an die Kinder denke, werde ich ganz traurig. Denn diese Kinder sind nicht nur perspektivenlos, diese Kinder leben im Dreck. Aus Müll sind Papphäuser gebaut worden. Diese Kinder hat das Leben in seiner vollen Härte getroffen. Bei diesen Kindern geht es nicht darum in welche Schule sie gehen, denn es gibt keine Schule für sie. Sie sind verloren und wir können uns wahrscheinlich nicht im entferntesten vorstellen in welchem Elend sie leben. Wie viel Hunger sie haben.


Diese Straßenkinder haben mir die Angst in jeden Knochen gejagt. Theresa und ich haben die Säcke losgelassen und sind gerannt und in das nächste Taxi gesprungen. „Fahr einfach los“ haben wir geschrien. Schnell weg. Weil wir es konnten. Wir konnten zurück in unser schönes Hotel, zu unsrem Abendessen, zur Dusche. Diese Kinder werden nie in ihrem Leben erfahren was eine Dusche ist. Was ein warmes zu Hause ist. Was Sicherheit bedeutet.


Diese Kinder waren keine Kinder.

Und der Blick von ihnen würde auch dein Herz brechen.



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